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Mittwoch, 25. Februar 2026

Vibe-Coding: Kritik, Realität und meine Erfahrung

In den letzten Jahren hat sich KI-gestütztes Programmieren, oft auch „Vibe-Coding“ genannt, immer mehr verbreitet. Die Kritik daran ist massiv – manche sagen, es sei unprofessionell, unsauber oder gefährlich. Gleichzeitig erleben viele Entwickler und Programmierer die Vorteile gerade in der Praxis. Ich möchte in diesem Artikel meine eigene Erfahrung schildern, die Kritikpunkte beleuchten und eine differenzierte Betrachtung liefern, damit man besser einschätzen kann, wann Vibe-Coding sinnvoll ist und wann nicht.


Wer bin ich und warum kann ich das beurteilen?

Ich habe über 15 Jahre Erfahrung im Umgang mit Computern, Betriebssystemen, Software und verschiedensten Programmen. Das umfasst alles: von der Arbeit mit klassischen Office-Anwendungen über das Aufsetzen von komplexen Systemen bis hin zu kleinen und größeren Entwicklungsprojekten. Dabei habe ich über die Jahre ein tiefes Verständnis dafür entwickelt, wie Software funktioniert, wie sie aufgebaut ist, wie Fehler entstehen und wie man sie behebt.

Seit dem Hype von ChatGPT 3.5 codiere ich aktiv mit KI-Unterstützung und seit Anfang 2025 nutze ich KI intensiv, um komplexere Projekte zu entwickeln – nicht nur kleine Snippets, sondern Programme von mehreren Hundert Kilobyte mit modularisierten Python-Dateien, GUI-Elementen und spezifischer Logik. Ein aktuelles Beispiel ist mein Projekt Pycon Browser, ein Qt/PySide6-Tool, das Symbole und Sammlungen der Python-Welt strukturiert und übersichtlich zugänglich macht.

Ich schreibe das, um zu verdeutlichen: Ich bin kein klassischer Softwareingenieur mit jahrelanger beruflicher Erfahrung in großen Firmen, aber ich habe genug praxisnahes Wissen und Erfahrung, um Vibe-Coding aus einer fundierten Perspektive zu betrachten. Meine Erfahrungen basieren auf realen, oft komplexen Projekten, die selbst für Profis nicht trivial sind.


Was ist Vibe-Coding?

Vibe-Coding bezeichnet das Arbeiten mit KI auf eine Weise, bei der man nicht jeden einzelnen Code-Schritt plant, sondern eher im Flow arbeitet: brainstormt, Ideen direkt umsetzt, von der KI Vorschläge generieren lässt und das Projekt Stück für Stück wachsen lässt. Es geht weniger um klassische Planung oder penible Dokumentation, sondern um Iterieren, Experimentieren und Entwickeln im direkten Austausch mit der KI.

Dabei übernimmt die KI viel von der Routinearbeit – Boilerplate-Code, einfache Tests oder Standardfunktionen – sodass der Mensch sich auf Architektur, komplexere Logik und kreative Ideen konzentrieren kann. Laut aktuellen Studien kann KI inzwischen bis zu 80 % des reinen Tippens abnehmen. Das bedeutet: Routineaufgaben und Schreibarbeit fallen weg, nicht aber Verständnis, Architekturentscheidungen und Sicherheitsüberlegungen, die nach wie vor vom Menschen kommen müssen.


Meine eigenen Projekte und Vibe-Coding in der Praxis

Nehmen wir Pycon Browser als Beispiel: Ein mittleres Projekt, bestehend aus 21 Python-Dateien mit insgesamt 378 KB, jede Datei etwa 500–1000 Zeilen. Es umfasst GUI, komplexe Logik, modulare Struktur und spezifische Anwendungsfälle. Selbst für erfahrene Entwickler wäre das in kurzer Zeit schwer zu überblicken.

Ich arbeite dabei mit Vibe-Coding, indem ich Ideen direkt in Code übersetze, die KI mir Vorschläge macht und ich diese anpasse, erweitere oder verwerfe. Das Projekt wächst dynamisch – Funktionen verändern sich, Module müssen umstrukturiert werden, neue Features kommen hinzu. Es ist ein Prozess des ständigen Experimentierens und Reflektierens, bei dem die KI den Arbeitsfluss beschleunigt, aber nicht die Kontrolle übernimmt.

Wichtig ist: Auch Profis nutzen Vibe-Coding. Das heißt, es ist nicht nur ein „Anfänger-Trick“. Selbst erfahrene Entwickler setzen KI ein, um Routinearbeit abzugeben, Zeit zu sparen und sich auf die kreativen oder komplexen Teile zu konzentrieren. Kritik an Vibe-Coding richtet sich daher oft an Personen, die ohne ausreichendes technisches Verständnis oder Erfahrung auf KI-Code vertrauen.


Kritik an Vibe-Coding: Berechtigte Punkte

Die Kritik ist nicht völlig unbegründet. Es gibt Bereiche, in denen man vorsichtig sein muss:

  1. Sicherheitsaspekte: KI kann Routinecode schreiben, aber nicht garantieren, dass alles sicher ist. Authentifizierung, Eingabenvalidierung, Datenfluss oder Sicherheitslücken müssen bewusst vom Menschen überprüft werden. Anfänger, die blind KI-Code übernehmen, können hier schnell Fehler erzeugen, die später teuer werden.

  2. Verständnisverlust: Wer Vibe-Coding ohne Basiswissen einsetzt, läuft Gefahr, den Überblick zu verlieren. Bei größeren Projekten mit vielen Modulen ist es essenziell, die Zusammenhänge zu verstehen. Andernfalls entsteht ein „Black Box“-Projekt, bei dem man selbst nicht mehr genau weiß, wie alles funktioniert.

  3. Abhängigkeit von KI: Ohne KI könnte ein eingefrorenes Projekt schnell unüberschaubar werden. Ich selbst würde ein größeres Projekt einfrieren, falls plötzlich die KI wegfällt, weil allein Tutorials und Dokumentationen nicht reichen, um wieder durchzublicken.


Kritik an Vibe-Coding: Unberechtigte Punkte

Gleichzeitig sehe ich viele Punkte der Kritik als überzogen oder missverständlich:

  • Sauberer Code vs. Funktionsfähigkeit: Vielen Kritikern geht es darum, ob der Code „sauber“ oder „perfekt“ ist. Für Kunden zählt primär, dass das Produkt funktioniert, performant ist und die gewünschten Aufgaben erfüllt. Sauberkeit und Stil sind zweitrangig, solange die Software zuverlässig läuft.

  • Fehlervermeidung: Studien zeigen, dass KI bei komplexen Aufgaben oft etwa 70–85 % korrekt ist. Fehler bleiben, aber mit Erfahrung und Kontrolle des Entwicklers lassen sie sich zuverlässig abfangen.

  • Nicht nur für Profis: Wer technisches Verständnis, Erfahrung mit Betriebssystemen, Programmen und Computern hat, kann Vibe-Coding sehr effektiv nutzen. Die Kritik richtet sich oft an Personen, die keine Erfahrung haben und sich nicht in die Logik einarbeiten.


Warum Vibe-Coding Sinn ergibt

Vibe-Coding kann Produktivität und Lernkurve enorm steigern:

  • Routineaufgaben übernimmt die KI, Menschen konzentrieren sich auf Architektur, Logik und kreative Ideen.

  • Entwickler lernen gleichzeitig, wie Code funktioniert, indem sie aktiv mit der KI kommunizieren, Fragen stellen und Lösungen nachvollziehen.

  • Selbst komplexe Projekte bleiben beherrschbar, weil man den Prozess in iterativen Schritten gestaltet.

Dabei ist es wichtig zu verstehen: Es ersetzt nicht die menschliche Verantwortung. Wer Vibe-Coding nutzt, muss immer wissen, was passiert, welche Logik implementiert wird und welche Sicherheitsaspekte relevant sind.


Meine Empfehlung für Einsteiger

Für motivierte Leser, die Vibe-Coding ausprobieren wollen:

  • Technisches Grundverständnis ist entscheidend: Wer Logik, Variablen, Strukturen und Systeme nachvollziehen kann, hat gute Voraussetzungen.

  • Beginnt mit kleinen Projekten, lernt Schritt für Schritt. Die KI kann erklären, kommentieren und Snippets erläutern.

  • Fehler sind Teil des Lernprozesses. Mit zunehmender Erfahrung werden Projekte komplexer und kontrollierbarer.

Vibe-Coding ist also kein Allheilmittel, aber ein mächtiges Werkzeug, wenn man motiviert ist, selbst Verantwortung zu übernehmen und parallel zu lernen.


Fazit

Vibe-Coding ist ein Werkzeug mit großem Potenzial, aber auch berechtigter Kritik. Wer erfahren genug ist oder bereit, sich Wissen anzueignen, profitiert enorm von KI-Unterstützung: 80 % der Routinearbeit wird abgenommen, Arbeitsprozesse beschleunigt, Zeit gespart. Gleichzeitig bleibt die Verantwortung für Architektur, Sicherheit und komplexe Entscheidungen beim Entwickler.

Die Kritik an Vibe-Coding ist also differenziert zu betrachten: Nicht alles, was negativ dargestellt wird, trifft die Praxis. Für Anfänger ohne Erfahrung kann sie berechtigt sein, für technisch versierte Personen ist Vibe-Coding ein realistischer, produktiver Ansatz, um Ideen schnell umzusetzen und gleichzeitig zu lernen.

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